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Kunst, Kommerz und Kitsch: Design Miami Basel 09

von Claudia Simone Hoff, 17.06.2009


Wo turteln Barbara Becker und Arne Quinze unterm Regenschirm, schreitet Fürstin Gloria von Thurn und Taxis an den Messeständen vorbei und sitzt Jungdesigner Oskar Zieta beim Kaffeplausch in der Lounge? Richtig: in Basel. Vom 9. bis 13. Juni 2009 fand in der Stadt am Rhein – die einmal im Jahr mit der Art Basel zum Nabel der Kunstwelt wird – zum vierten Mal die Schau mit dem sperrigen Namen „Design Miami/ Basel“ statt. Erstmals hatte man sich auf dem Gelände der heiligen Hallen der Art Basel ausgebreitet anstatt wie im Jahr zuvor im weitaus stimmungsvolleren Ambiente der Beton-Markthalle aus den späten Zwanziger Jahren.



Dorthin hätten auch die meisten ausgestellten Objekte gut gepasst, präsentierten die 27 vertretenen Galerien, genauso viele wie im Vorjahr, doch vor allem die Designklassiker der Dreißiger und Fünfziger Jahre – fast nach dem Motto „In Basel nichts Neues“ oder „Auf Altbewährtes setzen“. Die „Design Miami/ Basel“ versteht sich seit ihrer Gründung vor fünf Jahren als Forum für sogenanntes Limited Edition Design – also Design, das nur in limitierter Auflage erhältlich und dementsprechend hochpreisig ist. Dabei kann es sich um Designklassiker von Le Corbusier, Charlotte Perriand, Serge Mouille, Jean Prouvé, Josef Frank oder Alvar Aalto handeln, aber auch um speziell zur Messe in Auftrag gegebene Objekte zeitgenössischer Designer. Sicherlich keine schlechte Idee, um betuchte Sammler von der benachbarten Art Basel in die Halle 5 zu locken – auch wenn hier (noch) alles eine Nummer kleiner ist. Und so zeigt sich die Messeleitung um Ambra Medda auch überzeugt davon, dass aufgrund der diesjährig erfolgten Verkäufe – die das Niveau des Vorjahres teils übertrafen – „ernsthafte Sammler weiterhin Limited Edition Design kaufen werden.“ So schlug beispielsweise die Pariser Galerie Patrick Seguin Jean Prouvés „Table SAM N°506“ aus dem Jahr 1952 für sage und schreibe 180.000 Euro los und Pierre Jeannerets Sofa mit zwei Sesseln „Chandigarh“ brachte ganze 65.000 Euro in die Kasse.

Neues versteckt zwischen Altbekanntem

Mit Fokus auf europäische Galerien, waren auf dieser Ausgabe der „Design Miami/ Basel“ auch Aussteller aus den USA und erstmals auch Korea vertreten – insgesamt kamen etwa 18.000 Besucher, die durch Halle 5 streunten. Und das bekamen sie dort zu sehen: Schon auf anderen Messen und Ausstellungen Vorgestelltes wie die „Silver Ware“ von Studio Job für Bisazza (gesehen bei Vivid Gallery, Rotterdam) oder Robert Stadlers „Possible Furniture“ (gesehen bei Galerie Emmanuel Perrotin, Paris) wurde ergänzt um Neues wie Olivier Peyricots Sofa „Coppershelter“ (gesehen bei ToolsGalerie, Paris), Kwangho Lees Leuchte „Black Light” (gesehen bei Johnson Trading Gallery, New York), Wouter Scheublins Tisch „Walking Table“ (gesehen bei Priveekollektie Contemporary Art/ Design, Heusden) oder Atelier Van Lieshouts „Liquor Master“ (gesehen bei Vivid Gallery, Rotterdam).

Design oder doch schon Kunst?

Auf einer Messe, die das Wort Design im Titel führt, waren aber auch – wen überrascht das noch in Zeiten, wo die Grenzen zwischen Design und Kunst zunehmend verschwimmen? – einige Installationen zu sehen, die mehr an Kunst als an Design erinnerten. Nun gut, die Übergänge sind fließend und wer weiß schon genau, wo das eine aufhört und das andere beginnt? Und so wurden auf den „Design Satellites“ kuratierte Projekte mit Kunstanspruch vorgestellt. Neben der Sonderschau „Marc Newson presented by Stuart Parr and Gagosian Gallery“, der Spiegel-Installationen „Audience“ und „Study for a mirror“ von Random International stand der niederländische Designer Maarten Baas im Mittelpunkt des Geschehens. Er hatte eine verdunkelte Koje mit einer Installation namens „Real Time“ bestückt, die bereits im niederländischen Zuidersee Museum und auf dem diesjährigen Mailänder „Salone del Mobile“ zu sehen war. Dafür erfand er sechs verschiedene Uhren kombiniert mit einer Videoinstallation, die sich in fast poetischer Weise mit dem Thema Zeit auseinandersetzen. Doch aller Poesie zum Trotz: Die in limitierter Auflage hergestellten Uhren waren gegen Bares zu erstehen.

Gleich um die Ecke der „Real Time“-Installation, präsentierten am hinteren Ende der Ausstellungshalle die vier, von einer prominent besetzten Jury ausgezeichneten „Designers of the Future“ ihre Installationen auf einer Fläche von jeweils dreißig Quadratmetern. „In Zeiten der wirtschaftlichen Unwägbarkeiten ist es wichtiger denn je, junge aufstrebende Designer zu unterstützen“, so Ambra Medda. Die Präsentationen der „Designers of the Future“ standen unter dem, von der Messeleitung erdachten, übergreifenden Thema Gips und Spiegel(ungen). Der Kreativität war beim vorgegebenen Thema keine Grenzen gesetzt: Während das israelische Designerduo von Raw Edges mit „Mount Domesticus“ einen Berg aus Gips – wie passend im Land des Matterhorns! – baute, dessen Spiegelung im Fußbodenbelag aufgenommen wurde, präsentierte der spanische Designer Nacho Carbonell die archaisch anmutende „Fertility Cave“. Und der Brite Peter Marigold fertigte mit „Palindrome“ eine Landschaft aus Spiegeln, Spiegelungen, stilisierten Jagdtrophäen und Schrankobjekten. Im Unterschied zur hehren Kunst auf der benachbarten Art Basel war hier allerdings Anfassen erlaubt.

Professionell kommt morgen oder wenn einem der Designer noch persönlich begrüßt

Sehr voll war es in der Messehalle 5 vergangenen Dienstagmittag nicht – vielleicht, weil sich die erlauchte Prominenz zur Vernissage der Art Basel ein Stelldichein gab. Und so drückte Peter Marigold – seines Zeichnen „Designer of the Future“ – jedem Besucher persönlich die Hand. Was hier noch sympathisch wirkte, war auf der anderen Seite als wenig professionell zu bezeichnen. Nämlich dann, wenn Aussteller kaum Informationen über die ausgestellten Objekte parat hatten. Dies ist umso erstaunlicher, als dass die hier ausstellenden Galerien wenn schon nicht mit Millionensummen, dann doch wenigstens mit Hunderttausenden rechnen. Euro versteht sich. Denn so viel kann ein Original von Le Corbusier, Perriand oder Prouvé – wie oben erwähnt –schnell einmal kosten. Für Patrick Seguin von der gleichnamigen Pariser Galerie bleiben diese Namen dann auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine sichere Geldanlage – legitimiert durch ihren Platz in der Kunstgeschichte.

Money, money, money

Geradezu preiswert wirken diese Designklassiker, wenn man den opulenten Messestand der Pariser Galerie Perrin Antiquaires betrat. Zum ersten Mal auf der Messe präsent, fühlte sich der Besucher auf den Ausstellungsflächen in die Zeit des 18. Jahrhundert zurückversetzt: Da gab es ein sizilianisches Spiegelpaar aus Koralle, Emaille und Messing (um 1700) für 1,8 Millionen Euro und Louis-XIV-Kommoden aus Schildpatt mit Bronzebeschlägen (um 1770) für 2,5 Millionen Euro zu erwerben.

Mittagsschlaf in der Designkoje

Diese unglaublichen Zahlen vor Augen, konnte Brad Pitt ja geradezu froh sein, dass er das „Mini Capsule Hotel“ von Atelier Van Lieshout (Carpenters Workshop Gallery, London) für 95.000 Euro kaufen konnte. Ausgestellt war das Objekt auf künstlichem Rasen auf einer Außenfläche der Messe im Rahmen der „Design Satellites“ in der von Natalie Kovacs kuratierten Schau mit dem poetischen Titel „Never-Ever Land“. In den Kojen des „Hotel“-Containers hatte der Fußmüde Besucher mit Blick auf die nicht mehr ganz so neue, aber immer wieder erstaunliche Bank „Spaghetti Corten“ von Pablo Reinoso die Möglichkeit, sich in den wohlverdienten Mittagsschlaf zu träumen. Wenn er sich das denn traute, hätte man doch mutmaßen können, dass dieses Objekt in Wirklichkeit ja doch ein Kunstwerk sei – und da ist berühren bekanntlich verboten.

Pusteblume!

Berühren verboten war auf jeden Fall beim wohl erstaunlichsten Objekt der Messe angesagt: die Lichtskulptur „Fragile Future 3.3“ (gesehen bei Carpenters Workshop Gallery, London) von Lonneke Gordijn und Ralph Nauta, das für 9.500 Euro zu haben war. Viele echte Pusteblumen umrankten die winzigen Leuchtmittel in einem Labyrinth aus Kupferdraht – Vergänglichkeit könnte nicht besser demonstriert werden in Zeiten der vielbeschworenen Wirtschaftskrise: Ein Lufthauch und das Kunstwerk ist dahin. Verkauft wurde es trotzdem.
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Links

Design Miami Basel

www.designmiami.com

Design und Kunst Seite an Seite

www.designlines.de

Design Miami Basel 2008

www.designlines.de

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